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Stefan Iten
stefan@simplify.swiss

Veröffentlicht am: 21.05.2026

Es war irgendwann zwischen 2006 und 2013. Ich sass bei Microsoft in einem Kundentermin. Vor mir: eine dieser corporate-blauen PowerPoint-Decks, vollgepackt mit Boxen, Pfeilen und Begriffen, die den Raum füllten ohne ihn zu erhellen. Der Kunde nickte. Ich wusste: Er verstand mich nicht. Und ehrlich gesagt verstand ich mich in diesem Moment auch selbst nicht mehr so recht.

Also stand ich auf, nahm einen Filzstift und ging zum Flipchart.

Ich fing an zu zeichnen. Grob, schnell, aber lebendig. Irgendwann – ich erinnere mich genau an diesen Moment – stand der Kunde auf, nahm mir den Stift aus der Hand und ergänzte die Zeichnung. Er erklärte, was er brauchte. Er zeigte, wo er die Architektur anders verstanden hatte. Die Lösung gehörte plötzlich nicht mehr mir allein. Sie gehörte uns beiden.

Das war kein Trick. Keine Methode aus einem Seminar. Es war einfach das, was passiert, wenn du aufhörst zu präsentieren und anfängst zu denken – gemeinsam, sichtbar, auf Papier.

Seitdem bin ich nie mehr wirklich vom Flipchart weggekommen.

«Das war kein Trick. Es war einfach das, was passiert, wenn du aufhörst zu präsentieren und anfängst zu denken.»

Ein iPhone liegt auf einem Tisch.

Das Gerät auf dem Tisch

Simon Sinek hat einmal in einem Vortrag etwas getan, das ich nicht vergessen habe. Er hielt sein Handy in die Höhe und fragte das Publikum: «Habt ihr in diesem Moment das Gefühl, dass ihr für mich das Wichtigste auf der Welt seid?»

Natürlich nicht.

Das Gerät vibrierte nicht einmal. Es lag einfach in seiner Hand. Und trotzdem veränderte es alles. Sineks Punkt war einfach und brutal: Wer sein Handy auf den Tisch legt – auch mit dem Display nach unten – sendet eine klare Botschaft an jeden im Raum. Es gibt gerade etwas Wichtigeres als dich.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich komme aus der IT, liebe digitale Werkzeuge, habe meinen ersten Computer als Jugendlicher gehabt und arbeite heute täglich mit Grafikdesign, Videoschnitt, Fotobearbeitung. Aber genau deshalb weiss ich, wie schnell man darin verschwindet. Eine Benachrichtigung. Ein kurzer Blick. Und der Gedanke, den ich gerade hatte, ist weg.

Das ist keine persönliche Schwäche. Das ist Absicht. Diese Systeme sind darauf ausgelegt, uns drin zu halten.

In einer Wirtschaft der Ideen sind analoge Tätigkeiten nicht das Gegenteil von digitaler Arbeit – sondern deren eigentliches Fundament. Skizzieren, Lesen, Pausieren, echte Gespräche. Alles Dinge, die im Digitalen entweder nicht funktionieren – oder zumindest nicht gleich.

Die Wunderrakete

Philipp Lehner führt Alpla, einen Verpackungskonzern mit 24’000 Mitarbeitern in 46 Ländern. Hochautomatisiert, global, zutiefst digital. Und trotzdem – oder genau deshalb – hat er kürzlich etwas getan, das für Schlagzeilen gesorgt hat: Er führt firmenweit einen analogen Papierkalender für seine Führungskräfte ein. Verbindlich. Top-down. Teilweise bonusrelevant.

Seine Begründung ist so einfach wie scharf: «Digitale Systeme verkaufen sich als Effizienztreiber, sind aber häufig Effizienzkiller.»

Was ihn zu dieser Entscheidung geführt hat, ist kein Bauchgefühl. Laut dem Work-Trend-Report von Microsoft werden Angestellte während der Hauptarbeitszeit alle zwei Minuten unterbrochen – durch ein Meeting, eine E-Mail, eine Teams-Nachricht. Langfristige Projekte versanden. Strategisches Denken leidet. Microsoft will das Problem mit mehr Software lösen. Lehner mit weniger.

Norman Häusler, einer seiner Führungskräfte bei Alpla, bringt es auf den menschlichen Punkt: Seit er mit dem Papierkalender arbeite, sei seine Planung realistischer geworden. Der Druck habe nachgelassen. «Ich komme am Abend zufriedener nach Hause.»

Das ist kein Nostalgiker, der die alte Zeit zurückwill. Das ist jemand, der verstanden hat, wer die Kontrolle haben soll – er oder das System.

Warum deepn

deepn ist keine Methode, die man anwendet. Es ist eine Haltung, die man entwickelt.

Nach zwanzig Jahren in Führung und Beratung bin ich zu einer einfachen Erkenntnis gekommen: Die meisten Führungsprobleme sind keine Struktur- oder Strategieprobleme. Sie sind Tiefenprobleme. Es fehlt nicht an Werkzeugen. Es fehlt an Klarheit darüber, wer man als Führungsperson wirklich ist – und wofür man steht.

Ein Mann schreibt in ein Notizbuch.

«Es fehlt nicht an Werkzeugen. Es fehlt an Klarheit darüber, wer man als Führungsperson wirklich ist – und wofür man steht.»

deepn Leadership beginnt dort, wo die meisten Führungsmodelle aufhören: im Inneren. Bei Bewusstsein, Haltung und Verantwortung. Nicht weil das vorgeschrieben ist, sondern weil Führung, die nicht von innen kommt, früher oder später aufhört zu wirken.

Wer tiefer führt, schafft Orientierung. Wer Orientierung schafft, ermöglicht Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage von allem – für Menschen, Strukturen und Kultur.

Das hat nichts mit Papier oder Stift zu tun. Und gleichzeitig alles damit. Denn wer gelernt hat, langsamer zu denken, tiefer zu gehen und klarer zu sehen – der greift instinktiv zum Filzstift. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil er weiss, dass die besten Gedanken Raum brauchen, um zu entstehen.

 

Ich weiss nicht, ob deepn das Richtige für dich ist.

Aber wenn du dich je dabei ertappt hast, nach einem langen Tag voller Screens und Meetings das Gefühl zu haben, viel beschäftigt und wenig gedacht zu haben – dann weisst du vielleicht, wovon ich rede.

Wer seine Zeit wirklich in der Hand haben will, muss zuerst den Stift in die Hand nehmen.

— Stefan

Gründer, deepn